Samstag, 11. November 2017

6 Dinge, die ich gerne vor dem Japanologie Studium gewusst hätte

6 Dinge, die ich gerne vor dem Japanologie Studium gewusst hätte

Picture by plume233 (Pixabay) under CC0 Creative Commons

Nach dem Abitur musste ich die wichtigste Entscheidung meines Lebens treffen: Was sollte ich studieren? Als Japanliebhaber war klar, dass es Japanologie sein musste. Doch ich konnte nicht ahnen, worauf ich mich da eingelassen hatte.


1. Japanologie ist keine Berufsausbildung
Rikkyo Universität Tokyo (ein Jahr lang war ich hier)

“Japanologie? Was macht man denn damit?”
Jeder der diese Frage schonmal gehört hat, kann gerne mal einen Kommentar hinterlassen. Doch so nervig die Frage ist, so berechtigt ist sie auch, wie ich während des Studiums feststellen musste.
Wer Maurer lernt, wird Maurer. Medizinstudenten zu Ärzten, Juristen zu Anwälten. Aber was werden Japanologen?
 
Die Universität bietet dir keine Berufsausbildung oder ein Staatsexamen, in dem du alles lernst, um bestimmte Positionen auszufüllen, sondern eine wissenschaftliche Ausbildung.  


Ziel deiner Dozenten und Professoren ist es primär, dich zu einem Wissenschaftler zu machen. Das gilt so ziemlich für jeden Studiengang und ganz besonders für Geistes- und Kulturwissenschaften.  


Wenn das aber nicht dein Ding ist, solltest du dich fragen:
“Brauche ich denn wirklich ein Studium oder reicht nicht eine Ausbildung, die mir einen klaren beruflichen Weg vorgibt?”
Oder, falls du wirklich studieren willst:


“Wie schaffe ich es trotzdem, berufsrelevante Fähigkeiten zu lernen?”  


2. Hardskills sind wichtiger als Softskills


The Body of Knowledge (Frankfurt Universität)

Irgendwann habe ich mich in meiner Uni-Zeit in zahlreiche Softskill-Workshops eingeschrieben, weil ich dachte, das würde meinen Marktwert erhöhen. Doch der Effekt davon war eher marginal.
Geistes- und Kulturwissenschaftler sind üblicherweise Träger zahlreicher Softskills, was an und für sich eine super Sache ist.
Sie können sehr gut kommunizieren, recherchieren und sich in andere hineinversetzen, wodurch es im Berufsalltag, vor allem mit Kundenkontakt, oftmals reibungslos flutscht.
 
Was aber viele dieser Wissenschaftler, nicht (so zahlreich) haben, sind Hardskills. Das sind all jene Skills, die wirklich greifbar und messbar sind, um es mal stark vereinfacht auszudrücken.  


C++ programmieren zu können ist zum Beispiel ein Hardskill. Oder Statistiken aufstellen und eine Sekundäranalyse ausführen zu können, wäre auch einer. Oder Japanisch sprechen können ist auch ein Hardskill.  


Der große Unterschied zu Softskills ist, dass man nicht einfach behaupten kann, einen besonderen Hardskill zu haben. Ein Japanologe kann in seinen Lebenslauf schreiben, dass er gut im Team arbeiten und sich in Leute hinein versetzen kann.


Jeder andere Student kann das aber auch reinschreiben und wer sollte diesem das Gegenteil beweisen können?
Für Softskills gibt es keine Messwerte. Für Hardskills schon. Niemand kann einfach behaupten, dass er Japanisch kann, obwohl er es nie gelernt hat. Wer es doch versucht, fliegt spätestens dann auf, wenn das Vorstellungsgespräch auf Japanisch stattfindet.  


Aus dem Grund sticht man mit einem guten Set an Hardskills direkt aus der Masse heraus. Dein Ziel im Studium sollte es also sein, Hardskills zu sammeln und diese auf einem guten Level beherrschen zu können.  


Man könnte sich sein eigenes Skillset wie einen Motor vorstellen, indem die Hardskills Zahnräder und Kolben sind und die Softskills das Schmieröl, damit der Motor reibungslos läuft.  


Im Notfall kann ein Motor mit viel Geknirsche und Rauch auch ohne Schmieröl laufen, während aber ein Motor in dem sich nur Öl befindet, überhaupt nicht laufen wird.
 
Im Idealfall hat man aber am besten Hard- und Softskills, die ineinandergreifen, damit alles läuft wie geschmiert.
3. Japanisch ist dein Rammbock in den Job


Japanisch zu lernen ist anstrengend aber unerlässlich für deine Karriere. Wer wie ich am Anfang des Studiums das Lernen schleifen lässt, muss später in kurzer Zeit alles nachholen.

Besonders in den ersten Semestern hatte ich die Bedeutung des Japanisch Lernens extrem unterschätzt. Stattdessen habe ich gerne mal den Unterricht geschwänzt, was sich heute rächt.
So verkennen auch die meisten Japanologen die Bedeutung, des oftmals einzigen Hardskills, den sie im Studium erwerben.

Japanisch Lernen wird oft als lästige Pflicht betrachtet und es wird nur das Nötigste getan, um die Prüfungen zu bestehen.
Erst wenn der Bewerbungsmarathon beginnt, fangen sie an zu realisieren, dass sie eine große Chance aus der Hand gegeben haben. Ich habe hier in Japan gesehen, dass Leute nur aufgrund überragender Japanischkenntnisse an ihre Jobs gekommen sind, obwohl sie, außer der Sprache vielleicht nicht viel vorzuweisen hatten.  


Eine Fremdsprache wird nur dann zu einem Hardskill, wenn man diese auf einem sehr guten Level beherrscht. “Ein bisschen” Japanisch sprechen zu können, wird dich nicht voranbringen. Auf Business Level sprechen zu können hingegen schon.  


Verlass dich im Studium zudem nicht auf den Japanischunterricht selbst. Du musst die Sprache für dich selbst lernen und sie ständig anwenden.

Dein Ziel sollte es sein, bis zum Ende des Studiums mindestens JLPT N2 Niveau (Businesslevel Japanisch) zu erreichen, am besten noch N1 (nahezu Muttersprachler Japanisch).  


Hier aber noch ein Einwand einer meiner Leser früherer Artikel: Sprachen sind Hardskills, werden aber oftmals als “Brückenskills” betrachtet.  


Wer nur Japanisch kann, baut zwar eine Verbindung zur japanischen Seite auf, kann dann aber nichts mehr Nützliches beitragen, ohne einen weiteren sprachenunrelevanten Hardskill (es sei denn du willst unbedingt Dolmetscher werden).  


Ein Beispiel: Ein Informatiker der Japanisch kann, hat für eine Firma einen höheren Marktwert, als der Japanologe, der sich nur auf die Sprache konzentriert hat.  


4. Studieren ist Zeitverschwendung


Gerade in Vorlesungen, mit Gruppenreferaten und ewig langen Power Points, wird viel Zeit in den Sand gesetzt, die man sinnvoller nutzen könnte.

Als es endlich ans Bewerben ging und Vorstellungsgespräche anstanden, wurde mir eines sehr schnell klar:
Es wurde viel über meinen Nebenjob als Hiwi gesprochen und auch über meine ehrenamtliche Tätigkeit bei einem japanischen Filmfestival, über die Arbeit in der Institutsgruppe der Japanologie, mein Doppelstudium, dass ich extra angefangen hatte und über meine Social Media Projekte.  


Aber weißt du, worüber niemand gesprochen hat? Über mein Zeugnis, meine Noten und was ich eigentlich im Studium gelernt und erforscht hatte.  


Da habe ich mich echt geärgert, da mir bewusst wurde, dass ich noch viel mehr hätte machen können. Stattdessen habe ich viel Zeit aufwenden müssen - besonders in späteren Semestern - um Hausarbeiten zu schreiben, über die nie je ein Mensch sprechen würde.  


Irgendwann wurde mir das Studium regelrecht zur Last, weil ich merkte, dass es mich von relevanten Dingen abhielt und ich viel Energie aufwendete, um halbwegs gute Noten zu schreiben, die später niemanden interessieren sollten.  


Wäre ich wirklich clever gewesen, hätte ich nur das absolute Minimum im Studium gemacht und mich stattdessen in noch mehr außeruniversitäre Tätigkeiten gestürzt, um noch mehr Erfahrungen und Hardskills zu sammeln.  


Anstatt also Jahrgangsbester zu werden, solltest du dir überlegen deine Energie zu sparen, um Projekte neben der Uni zu starten und Japanisch zu lernen. Zumindest wenn du sowieso kein Wissenschaftler werden willst.
5. Ohne Vitamin B kein Job


Wer relevante Leute kennen lernen möchte sollte sich in Schale werfen und viele Klinken putzen.

“Du bist die Summe deiner Kontakte”.


Das war ein Satz, den ich recht spät erst realisiert und akzeptiert hatte. Denn ich war ziemlich schüchtern und teilweise sozial scheu (wie die meisten Japanologen).
Ein breites Netz aus Kontakten ist aber unerlässlich, um später einen Job zu finden. Meine Erfahrung ist, dass die meisten Firmen nur eine öffentliche Ausschreibung für einen neuen Job machen, wenn es gar nicht anders geht.  


Das bedeutet, dass viele Firmen und Institutionen erstmal gucken, ob sie noch ein paar alte Bewerbungen in der Schublade haben oder im engen Umfeld herumfragen, ob jemand jemanden kennt, der für den Job in Frage käme.
Zwei wichtige Dinge leiten sich daraus ab:  
Erstens solltest du Initiativbewerbungen schreiben, denn auch wenn nichts ausgeschrieben ist, heißt das nicht, dass nichts frei ist oder wird.
 
Zweitens solltest du dir ein breites Netz an Kontakten aufbauen, indem du jedem kurz darstellst, was du kannst und wofür du stehst. So können sich die Leute an dich erinnern, wenn es irgendwann soweit sein sollte.  


Sieh es wie Marketing: Du kannst das tollste Produkt herstellen, mit dem besten Kundennutzen, aber wenn es keiner kennt und nie jemand was davon gehört hat, wird es trotzdem keiner kaufen.  


Bei meinen eigenen Kontakten stehe ich unter zwei Schlagworten: Japan und Social Media. Immer wenn in dieser Rubrik etwas aufkam, wurde ich kontaktiert. Auf diese Weise habe ich mein Praktikum bekommen und ganz indirekt auch meinen Job.  


Manchmal reicht es auch, nur die eine richtige Person zu kennen. Doch du kannst nie wissen, wer die “richtige” Person sein wird. Wirklich jede Person kann dir potenziell weiterhelfen.  


Also solltest du stets in die Breite gehen und am besten zu jedem einzelnen Menschen sehr nett und zuvorkommend sein und nebenbei mal fallen lassen, was du machst und planst.
6. Du MUSST nach Japan
Wer nur auf die Popkultur Japans abfährt, sollte sich zweimal überlegen, ob er oder sie wirklich Japanologie studieren sollte.

Mir fiel später in meinem Studium immer wieder auf, dass gerade die, die am lautesten schreien, sie würden Japan ja so sehr lieben, am allerwenigsten Interesse an Land und Kultur haben.
Vornehmlich sind das Leute, die sich nur für Japan interessieren, weil sie Manga und Anime mögen. Dass Manga und Anime aber nichts mit der Realität in Japan zu tun haben, muss man dir hoffentlich nicht erst erklären.  


Wenn doch, wird dir in der Japanologie erstmal ordentlich der Kopf gewaschen. Anstatt Naruto, One Piece und Sailor Moon steht dort Arbeitskultur, Faschismus und Feminismus auf dem Lehrplan. Das führt dann zu sehr hohen Abbrecherquoten in der Japanologie, weil die, die angeblich Japan ganz besonders “lieben”, enttäuscht sind von der Realität.
Ich kannte auch einige von diesen Studenten, die tatsächlich länger durchgehalten haben als gedacht und sogar das Glück hatten nach Japan zu gehen.  


Dort haben sie sich dann nur in ihr Zimmer eingesperrt und sich vor der Außenwelt versteckt. Insgeheim hatten sie gehofft ein buntes, schrilles und futuristisches Japan zu erleben. Stattdessen bekamen sie ein graues und abweisendes Japan, mit Architektur aus den 60ern.  


Und zu allem Überfluss mussten sie auch noch feststellen, dass man als hitziger Anime und Manga-Fan auch in Japan ein gesellschaftlich gemiedener Außenseiter ist. Autsch!  


Ich hatte nur das Glück, dass mich das reale Japan allgemein genauso fasziniert hat, wie die Darstellungen in der Popkultur. Wer akzeptiert, dass Japan nicht das pinke Zuckerwatte-Land ist, sondern die Dinge so annimmt, wie sie sind, wird um einiges erfolgreicher im Studium sein und muss sich nicht in seinem Zimmer verstecken, wenn er in Japan ist.  


Das zu verstehen ist essentiell für ein erfolgreiches Studium, in dem es dein Ziel sein sollte, nach Japan zu gehen. Sei es als Austauschstudent, als Working Holiday-Visanutzer, als Sprachschüler oder als jemand, der in der Pampa auf einem Bauernhof aushilft.


Allein in Japan gewesen zu sein, wird deinen Marktwert massiv anheben und dein Studium komplettieren. Einen Handwerker, der noch nie ein Rohr verlegt hat, wirst du auch nicht deine Sanitäranlagen installieren lassen. Genauso ist es mit Japanologen, die noch nie in Japan waren.  


Also solltest du viel Zeit aufwenden für die Recherche, wie du nach Japan kommst.
Fazit
Picture by cowins (Pixabay) under CC0 Creative Commons

Wenn du bis hier gelesen hast, wird dir aufgefallen sein, dass so ein Japanologiestudium im Grunde ein Vollzeitjob ist, schließlich muss man Skills, Erfahrungen und Kontakte anhäufen wie verrückt.
 
Doch sie es mal so: Dein Kumpel, der sich nach der Schule für eine Ausbildung entschieden hat, muss jeden Tag von früh bis spät schuften und das teilweise auch am Wochenende. Warum sollte es dir besser gehen als ihm?
Umso früher du das im Studium verstehst, umso besser kannst du deine eigene Zukunft in die Hand nehmen und selbst gestalten.

Bildnachweise:
https://pixabay.com/de/frau-modell-stra%C3%9Fe-670130/
https://pixabay.com/de/dokumentarfilm-schwarz-und-wei%C3%9F-1276188/


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Donnerstag, 20. Juli 2017

Wie du richtig mit Meishis umgehst - Japanische Businesskarten im Joballtag



Hey Leute,
Es hat eine Weile gedauert, aber jetzt habe ich endlich meine eigenen Meishi! 
📜📝📋🃏🃏🃏🃏📇📜📃

Aus dem japanischen Businessalltag sind die kleinen Businesskarten ja gar nicht mehr wegzudenken. Bei der 公益財団法人日独協会 - Japanisch-Deutsche Gesellschaft Tokyo habe ich auch den korrekten Umgang damit gelernt und dachte, ich teile mal was ich noch weiß.

Wenn ihr eine Meishi bekommt, dann müsst ihr sie auf eure Brieftasche locker auflegen, so dass das Gegenüber sie mit zwei Händen emfangen kann. Die Schrift muss natürlich so sein, dass das Gegenüber sie lesen kann.

Hat man die Meishi in zwei Händen, darf man sie auf keinen Fall sofort weglegen (Fettnäpfchengefahr!!! 💣)! Ihr lest euch durch was darauf steht und stellt eine Frage zum Gegenüber oder startet Smalltalk basierend auf den Infos der Meishi.

Beispiel: "Oh, Oh ihr Büro ist in Shibuya? Da sind die Züge jeden Morgen sicher sehr voll" etc.
Die Körperhaltung ist stets halb gebeugt und alles was das Gegenüber sagt muss im Sekundentakt nickend kommentiert werden. "Hm", "Ja.", "Achso ist das!".

Leise Zuhören ist in Japan nicht! (Fettnäpfchengefahr!!! 💣) Wenn ihr stumm seid, geht das Gegenüber davon aus, dass ihr nichts versteht und unhöflich seid. Also immer brav: "Oh, aha, ja, so ist das, aha, hm." machen.

Erst nach einer Weile (am besten wenn keiner guckt), wird die Meishi sorgfältig in eurem Meishi-Case verstaut. Wenn ihr dann zuhause seid, schreibt ihr am nächsten Tag eine Dankesmail an die Person. Da muss nicht viel drin stehen, wird aber stets als höfliche Aufmerksamkeit gewertet.
In eurem Leben wird das aber nicht die einzige Meishi sein. Nach 100 Stück verliert man leicht den Überblick und die Suche nach einer bestimmten Person wird stressig.

Also solltet ihr euch ein Excel Dokument anlegen und dort von Anfang an, alle Infos zusammentragen und die Meishis in einem Karten-Ordner verstauen. Wer mal Pokemon- oder Yugioh-Karten gesammelt hat, besitzt so ein Ding vielleicht sogar noch.

Ich hoffe mit den Tipps könnt ihr ein wenig Eindruck schinden und neue Kontakte aufbauen. Wer weiß, wer sich mal bei euch meldet, da ihr ja so einen guten Eindruck hinterlassen habt. 😉

Was denkt ihr? Habt ihr eigene Businesskarten? Und wie verfahrt ihr damit? Habt ihr vielleicht paar Profitipps für mich? 😄 Und wie groß ist eure Pokemonkartensammlung? 🐭⚡

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Was du nachts in Tokyo vermeiden solltest...


Hey Leute,

Ich erinnere mich, wie ich vor zwei Jahren nach einer Party in Harajuku festhing, da ich den letzten Zug verpasst hatte. Da ich kein Taxi nehmen wollte (sauteuer!) bin ich nachhause nach Ikebukuro gelaufen.

Das waren dann etwa 8 Kilometer, die ich in etwa 2 Stunden (betrunken) gelaufen bin. Dabei habe ich den Fehler gemacht durch Shinjuku zu torkeln. Genauer gesagt durch Kabukicho, dem Rotlichtviertel Tokyos. 

Dort versuchten mich dann eine menge aufdringlicher Ausländer in zwiellichtige Nachtclubs zu locken und mir das Geld aus der Tasche zu ziehen. Wahlweise wurden mir auch Drogen und schnelle Liebe angeboten.

Ich habe mich noch nie so unwohl gefühlt in Tokyo (außer das eine mal, wo ich nach einem Videodreh nachts durch Roppongi laufen musste).

Seitdem meide ich diesen Ort, wie der Gaijin das Natto. Bzw. verirre mich nur noch mit Freunden dorthin, da es dort oft günstige All you can drink-Angebote gibt.

Allein würde ich niemanden empfehlen nachts dort durchzulaufen. Tagsüber ist jedoch okay.
Im Kabukicho gibt es auch die berühmte Godzilla Statue, die von oben Tokyo bewacht. Doch mich konnte sie nicht beschützen. 😢😄xD

Was denkt ihr? Musstet ihr nach einer Party schonmal durch die halbe Stadt nachhause laufen? Und habt ihr als Kind Godzilla im Fernsehen gesehen? Und was empfehlt ihr als Abwehrmaßnahme gegen aufdringliche Clubleute?

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Der Japanozwitter - Zwischen N3 und N2



Hey Leute,

Ich erinnere mich daran, dass ich so ziemlich exakt vor 3 Jahren in Düsseldorf war, um den berüchtigten JLPT Test abzulegen, dem Japanisch-Fertigkeitstest. 🎌

Damals hatte ich mich mit zwei Mitstreitern aus der Uni zusammengetan und den Plan geschmiedet den N3 Test zu machen. Wer nicht versteht was der N3 bedeutet:

Das N3 Level im Japanischen bescheinigt dir, dich in einen Zwitterzustand zu befinden. Du kannst Japanisch, aber irgendwie auch nicht. Du bist weder Fleisch noch Fisch.

Da das aber immer noch besser war, als zu den zahlreichen Japanologen zu gehören, die gar kein Japanisch konnten, stiegen wir in einen Kleinwagen und fuhren in die Japantown nach Düsseldorf, auch um uns einmal überteuerte Ramen reinzudrücken.

Aus heutiger Sicht fühlt sich das alles so weit weg an, als hätte ich nie in Deutschland gelebt. Ich habe schon fast vergessen wie man sich in Deutschland im Supermarkt verhält. Legt man der Kassiererin auch grußlos das Geld auf den Tresen? Aber egal, zurück zum Thema:

In Japan habe ich mich dann zum N2 Level Test angemeldet. Wer nicht weiß was N2 bedeutet:
Nach Legenden zu urteilen, bescheinigt dir der N2 Level "Business Japanisch" zu beherrschen. Die Wahrheit sieht jedoch wie immer komplett anders aus.

Doch die Wochen um den JLPT Test waren meine stärksten Wochen, bezogen auf meinen Japanisch-Skill. Genau da hatte ich auch mein erstes Bewerbungsgespräch auf Japanisch. Mittlerweile aber, sind die Lorbeeren verwelkt und ich muss versuchen in immer kürzer werdender Zeit viel von damals wieder aufzufrischen.

Denn ich würde gerne den N1 Test ablegen, aber das liegt wohl noch in weiter Ferne... Wer sich nichts unter dem N1 Level vorstellen kann: Legenden sagen, dass man dann einem Muttersprachler im Japanischen ebenbürtig ist.

Was denkt ihr? Wie hoch ist euer JLPT Level? Wie motiviert ihr euch zum Japanischlernen? Und seid ihr Fleisch oder eher Fisch? 😄

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Smartes Pendeln, für smarte Salaryman in Tokyo


Hey Leute!
Seid ihr schon smarte Salaryman? 👨👔👩💼
Die Lokalregierung von Tokyo hat jetzt eine neue Kampagne gestartet, um den verstopften Zügen in Tokyo den Kampf anzusagen!

Wer jeden Morgen mit der U-Bahn zur Arbeit fährt, kennt das Problem: Die Züge sind nicht nur voll, sondern direkt bis auf den kleinsten Luftraum verstopft.
Für mich persönlich ist das Commuten ein großer Verlust von Lebensqualität und -Zeit. Wenn ich nur halbwegs erschöpft bin von der Arbeit, gibt mir die Zugfahrt nachhause ganz sicher den Rest.
Doch die Gouverneurin von Tokyo möchte diesen Umstand nun ändern: Sie bittet sämtliche Firmen und uns Angestellte, unsere Arbeitsgewohnheiten zu ändern. Wer früher zur Arbeit kommt, entlastet die Züge zur Rushhour.
Im Gegenzug soll man auch früher gehen dürfen und so mehr Zeit mit der Familie verbringen können und weniger in vollen Zügen gefangen sein. Wer da mitmacht, kann sich als "smarter Salaryman" bezeichnen. 😉
Einige Bahnlinien machen bei dem Spaß mit und bieten extra Züge zu frühen Morgendstunden an.
Bisher ist es üblich, dass Angestellte in Japan eher später anfangen, dafür bis in die Puppen draußen bleiben, weswegen man kaum frühe Züge gebraucht hatte. Nun soll sich alles ändern.
Was denkt ihr?
Ist das nur blinder politischer Aktionismus oder ein sinnvoller erster Schritt in die richtige Richtung?
Und würdet ihr eine Stunde früher aufstehen und euch als "smarte Angestellte" bezeichnen? 😉


Dieser Beitrag stammt von meiner Facebook-Page: Tokyo, der Moloch und Ich 

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Mittwoch, 26. April 2017

Dr. Unkos Kanji Drill - Kanjilernen für's Klo




Hey Leute,

Dachtet ihr euch beim stressvollen Japanischlernen nicht auch oft:


"Kanji sind echt !"


Japanische Grundschüler sind der exakt gleichen Meinung, wenn sie die ersten chinesischen Schriftzeichen in der Schule lernen müssen. Doch zum Glück gibt es jetzt den "Unko-Kanjidrill"!



(Unko = )

Doktor Unko steht einem dort hilfreich zur Seite und bringt euch die Kanji mithilfe von anwendungsorientierten Beispielssätzen bei.

Zum Beispiel:

"Ich stecke die Kerze in die !" Wer wollte das nicht immer schonmal sagen können, um das Eis beim ersten Kennenlernen zu brechen?



Und wenn man dann all die Kanji erfolgreich gelernt hat, dann bekommt man den Unko-Leistungsnachweis, mit dem man dann in der Grundschule angeben kann.

Wer das ganze Buch mit seinen knapp 100 Kanji schafft, der ist dann auf der selben Stufe wie ein japanischer Grundschüler im ersten Jahr. Glückwunsch!



Was denkt ihr? Würdet ihr euch der Challenge von Lehrer Unko stellen? Oder habt ihr das Kanjilernen schon in die Toilette getreten?

Bin gespannt! 


Dieser Beitrag stammt von meiner Facebook Page: "Tokyo, der Moloch und Ich

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Montag, 5. Dezember 2016

Mein Weg zum Job - Arbeiten in Japan



In den letzten beiden Artikeln zum Thema: "Arbeiten in Japan" habe ich relativ allgemein versucht zu erklären, was einen bei japanischen und internationalen Firmen in Japan erwartet. Wer sie verpasst hat, kann kurz hier reinschauen:

Arbeiten in Japan - Der japanische Weg

Arbeiten in Japan - Der internationale Weg


Doch bisher bin ich meinen Lesern schuldig geblieben, wie zur Hölle ich denn nun meinen Job in Japan bekommen habe. Welche Kurse haben mich weiter gebracht? Welches Japanischlevel hat mir am Ende den Job verschafft? Welche Skills waren hilfreich und was aus dem Studium benutze ich noch heute? Noten? Und vor allem: Welche Praktika und Nebenjobs waren nützlich beim Ergattern meines Jobs? 

Diese Fragen will ich beantworten, damit sich findige Japanologen ein Bild machen können und vielleicht inspiriert werden. Doch auch Nicht-Japanologen sollten nicht gleich wegschalten. Ich denke meine Erfahrungen könnten hilfreich werden, allgemein für jeden der einen Job in Japan sucht. Doch hier noch einmal der Hinweis: Das sind alles meine persönlichen Erfahrungen. Wenn ihr andere gemacht habt, dann lasst es mich wissen!

Mein Weg zum Job - Arbeiten in Japan
(Lesedauer etwa 10 Minuten)

 Bevor wir anfangen, will man als Leser aber vielleicht erstmal etwas über den Job wissen, den ich jetzt habe. 

 Ich arbeite für ein deutsches Start-up Unternehmen in Tokyo ("SCHMATZ"), das gerade dabei ist eine Kette an deutschland-inspirierten japanischen Kneipen zu etablieren. Das klingt ein bisschen umständlich, deswegen sage ich oft einfach nur "deutsche Restaurantkette", was so nicht ganz richtig ist. Denn keiner von uns will ein "typisch deutsches" Restaurant aufbauen. 

 Wir folgen mehr dem "Hybrid-Food"-Trend, der das beste aus verschiedenen Landesküchen zusammenbringt, um den Gästen immer wieder neue Gerichte zum Ausprobieren anbieten zu können. Also nicht streng "deutsch". Auch ist ein Standbein von uns das Brauen eigenen Bieres, was oft zu unrecht unter den Tisch fällt. 

 Um es kurz zu machen: Der Job ist für mich megaspannend, da ich mit den jungen Unternehmern etwas ganz Neues aufbauen und meine Stärken und Interessen einbringen kann.


Der Job den ich mache verlangt im Grunde 3 Dinge von mir:


Event-Management, 
Restaurant-Management und 
Marketing mit Schwerpunkt Social Media. 

 Keines der drei Felder habe ich jemals studiert und diese Felder kann man auch nicht wirklich studieren (okay, manche sicherlich schon mittlerweile, aber wir reden hier von vor sechs Jahren).

 Es gab auch keine Möglichkeit mich auf genau diesen Job vorzubereiten, denn vor 6 Jahren hatte ich schlicht keinen Plan, dass so eine Chance mal kommen würde. Wie also konnte ich die Bedingungen, die der Job an mich stellte erfüllen? 

 Im Grunde bin ich die Sache aber andersherum angegangen. Ich habe mich nicht dem Job angepasst, den ich mal haben will, sondern ich bin nur meinen Interessen gefolgt und habe dann geschaut, welcher Job am besten zu diesen passt. 

 Das war gut, da ich immer machen konnte was ich wollte, aber schlecht, weil ich so komplett ins Blaue arbeitete und studierte und nie genau wusste, wo ich mal ankommen würde. 

 Bedingung Nummer 1: Event-Management


 Als Erstsemester war damals schon klar, dass meine Studienwahl brotlos war und ich vielleicht nur in die Arbeitslosigkeit studieren würde. Da waren sich alle um mich herum sicher. Passend dazu war ich damals extrem blank und habe nachts in Müllcontainern der Supermärkte gewühlt (ihr wisst gar nicht wie viele verpackte noch gute Lebensmittel tagtäglich weggeschmissen werden!).

 Da kam das Angebot der Nippon Connection in Frankfurt direkt richtig: Das weltweit größte Festival für japanischen Film suchte Helfer für eine Woche. Belohnung: ein T-Shirt und freie Verpflegung. Eine Woche kostenlos essen? Da war ich sofort dabei. Natürlich hatte ich auch mein brotloses Studium im Kopf, das ich so mit etwas Praxiserfahrung aufpeppen konnte. 

 Daraufhin folgte eine Woche harte Arbeit. Das alte Studihaus musste wie jedes Jahr komplett renoviert werden und so putzten wir die Heizkörper, hingen Laternen auf und strichen die Mädchentoilette rosa. Es klingt zwar bescheuert, aber das alles hat eine Menge Spaß gemacht. Nach ein paar Tagen war das verranzte Zentrum der extrem Linken eine vorzeigbare Location, für ein internationales Publikum. 

 Da habe ich zum ersten Mal Blut geleckt. Mit viel Einsatz und gleichzeitig viel Spaß lässt sich also etwas komplett aus dem Nichts erschaffen, das zehntausend Besucher aus der ganzen Welt erfreut? Das war die beste Erfahrung für mich, als kleiner unbedeutender Japo.  

 Von diesem Moment an wurde ich dem Festival für etwa 5 Jahre treu und arbeitete dort ehrenamtlich unter anderem als Fotografen- und Interviewkoordinator und war im Pre-Selection Team und bewertete jedes Jahr die neusten Filme, die wir schließlich auf dem Festival zeigten. In der Zeit habe ich also viel darüber gelernt was dazu gehört, wenn man Veranstaltungen organisieren will. 

 Die Firma für die ich arbeite hostet nun ebenfalls Events oder wird zu Instituten gerufen, wie z.B. in die deutsche Botschaft oder dem Goethe-Institut, um Veranstaltungen zu schmeißen. Da kommen die Sachen, die ich bei Nippon Connection gelernt habe ganz gelegen. 


Bedingung Nummer 2: Restaurant Management


 Als ich in Tokyo merkte, dass meine Kohle so langsam zur Neige ging (Déjà-vu!) war klar, dass ich einen Nebenjob brauchte. Zumindest wenn ich weiterhin Nahrung konsumieren wollte, die nicht aus dem Mülleimer kam.

 Durch Verena (Internship Japan), die ich über meinen Blog hier kennen lernte, hörte ich damals von der Firma, für die ich jetzt arbeite. Sie schrieb einen kleinen Blogartikel über das erste Restaurant in Akasaka und die Ambitionen meiner Chefs. Ich war sofort geflasht und fühlte mich an Nippon Connection zurückerinnert. 

 Ich dachte: Vielleicht ist es ja irgendwie möglich auch hier mit Eifer an die Sache zu gehen, um das Projekt aus dem Nichts immer größer aufzubauen. Das teilte ich meinen Chef mit und er meinte, er würde mir wo es geht helfen dahin zu kommen, wo ich hin wollte. 

 Dennoch war das hier kein ehrenamtlicher Verein, bei dem jeder NUR seinen Interessen folgen konnte, sondern in erster Linie eine kleine Firma, die gerade eben erst aus dem Nichts auferstanden war. Drei Monate vorher hatten die Chefs noch in einem Food-Truck selbst Würstchen auf den Grill geschmissen, bis sie die Gelegenheit hatten in Akasaka das erste Restaurant zu starten. Also gab es es viel zu tun!

 Das bedeutete für mich relativ früh aufstehen (als Student ist alles vor 12:00 Uhr mittags zu früh!) und ordentlich anzupacken. Mehrmals die Woche, soweit es das Visum erlaubte. Ich lernte den Laden dabei nahezu in und auswendig kennen und meine Kollegen zu lieben. 

 Im Restaurant selbst waren so ziemlich alle Japaner, abgesehen vom Firmenchef, der ab und an mit mir die Schichten leitete. Da ich aber gerade den JLPT N3 gerade so bestanden hatte, konnte ich mich halbwegs (aber mehr schlecht als recht) verständigen (zu dem Zeitpunkt habe ich auch angefangen für den N2 zu lernen und habe den schlussendlich auch gerade so bestanden). 

 Vor allem gefiel mir der Umgangston: Niemand hatte einen Stock verschluckt und höfliches Gerede war nicht gefragt. Das war für mich sehr befreiend, da ich Hierachien und Unterwürfigkeit nicht leiden kann (ich alter Sozi lol).

 Natürlich hatte ich damals meine Fühler bereits ausgestreckt und geschaut ob es nicht irgendwie eine Möglichkeit auf eine Vollzeit-Beschäftigung gäbe. Zur damaligen Zeit sah es da aber noch ziemlich düster aus. Schließlich war das hier noch keine etablierte Firma, sondern ein Start-up, das gerade dabei war Fuß zu fassen. 

 Ehrlich gesagt hatte mir das einen ziemlichen Stich versetzt, da ich insgeheim hoffte hier starten zu können. Ich war auch gerade dabei Shukatsu durchzumachen und internationale Firmen nach Praktika abzuklappern (siehe die letzten beiden Blogartikel). Das lief aber mehr schlecht als recht und ich kam mir vor wie auf einer Odyssey durch den Job-Jungle Tokyos. 

 Da es hier keine Zukunft für mich zu geben schien, beschränkte ich mich erstmal darauf meine Arbeit so gut wie möglich auszufüllen, bis mir ein Ausweg einfiel. Denn vielleicht würde diese Restaurant Management Erfahrung ja irgendwann mal nützlich.   


Bedingung Nummer 3: Social Media Marketing


 Als ich nach Japan kam startete ich meinen Blog hier als Tagebuch. Ich berichtete darüber wie ich besoffen Fahrrad zum Meer gefahren bin mit Jet-Lag, mich über ein japanisches Nazimädchen lustig machte und nervte Leute mit nutzlosen Infos wie man am besten mit der Bahn durch Tokyo fährt. Das aus dem mal mehr werden sollte, war eher nur ein stummer Gedanke in meinem Hinterkopf. 

 Auch Instagram startete ich und postete Fotos von überfüllten Aschenbechern, dem zerzaustem Hund meiner Schwester und Selfies aus dem immer gleichen Winkel. Das auch hier mal mehr draus wurde, lag eher an meiner Neugier an dem ganzen System. 

 Das ging soweit, dass ich anfing auf Iconosquare meine Statistiken zu verfolgen und zu schauen wie viele Likes und Follower ich diesen Monat bekam und fing an zu überlegen wie ich diese Zahlen immer wieder aufs Neue übertreffen konnte. So wurden aus 11 Likes 200 und aus 100 Followern über 3000.

 Meine Facebook Page lief nach dem selben Schema. ich lernte wie und was ich schreiben musste, damit Leute sich dafür interessierten. So wurde aus einer einzeiligen Bildbeschreibung eines nichtssagenden Fotos, eine mehrere Absatz lange, die mit persönlichen Erfahrungen und Hintergrundinformation gespikt war. 

 Um die Hintergrundinfos überhaupt liefern zu können, war es natürlich sehr praktisch, dass ich Japanologie studiert hatte. In Kombination mit Soziologie kann man so viel über die japanische Gesellschaft und Kultur erklären. Im normalen Leben nutzlos (wie manche sagen), aber warum sollte man diese Dinge nicht in eigenen Projekten einsetzen? 

 Denn es gibt so viele Leute, die sich nach einem realistischen Einblick in das "unbekannte Land" Japan sehnen und bis auf ein paar unbeugsame Blogger liefert diese keiner. 

 Durch die stete Analyse und das ständige "Auf die Schnauze fallen" wurde mein Social Media Auftritt immer besser, bis Leute im Restaurant meinten, dass es besser wäre, wenn ich die Social Media Kanäle der Firma übernehmen würde. Das tat ich irgendwann auch. Freiwillig, zusammen mit der Marketingchefin und lernte dabei mich an die Materie heranzutasten, während ich beim Praktikum bei der Japanisch-Deutschen Gesellschaft war.

Das Praktikum dort war eine einmalige Erfahrung und eine der besten Gelegenheiten, die ich kriegen konnte (auch hier hat Verena vermittelt). Aber mit der Zeit wurde ich dennoch langsam ziemlich desillusioniert. Ich hatte das Gefühl keinen Job in Tokyo zu bekommen und arbeitete nur noch vor mich hin. Ich investierte so viel, doch es schien einfach nichts zurückzukommen. 

 Wie viele verschiedene Praktika hatte ich schon gemacht? 3? 5? Es war einfach nur frustrierend. Sicher können das viele, die auf Jobsuche sind und im Strudel aus Praktika gefangen sind gut nachvollziehen. 

 Irgendwann kam dann mein leitender Kollege zu mir und meinte, dass ich ganz gut arbeiten würde. Der Meinung war ich nicht, da ich einfach nur mein Ding machte. Aber er bestärkte mich darin, es nochmal bei Schmatz zu versuchen. 

 Auf seinen Rat hin klopfte ich nochmal bei meinem Chef an, der schon längst nicht mehr selbst in der Küche stand, sondern die Läden aus dem Office heraus leitete. So fragte ich nach einer Chance. 

 Zu meinem Glück hatte sich die Firma sehr gut entwickelt und es war möglich mehr Leute anzustellen. Und das innerhalb eines Jahres. Zudem sprach jeder im Restaurant gut über mich, wodurch sich herauskristallisierte, dass ich für den Job auf jeden Fall in Frage kam. 

 So kam es, dass ich tatsächlich den Job gefunden habe, den ich auch wirklich machen wollte. Wer die anderen beiden Artikel gelesen hat, wird merken, dass ich mich nie in die japanische oder typische Arbeitskultur einfinden konnte und insgeheim immer gehofft hatte, hier zu landen. Es mag naiv klingen, aber ehrlich gesagt hatte ich die ganze Zeit gespürt, dass das hier der richtige Weg war. 


Das Ende vom Lied


 Und so baut mein Job im Grunde auf diesen drei großen Erfahrungen auf: 

 Event-Management, Restaurant-Management und Social Media Marketing. 

 Alles Dinge, die ich nur gelernt und verfolgt hatte, weil sie mich interessierten und weil die Leute mit denen ich zu tun hatte klasse waren. 

 Sowohl mein Studium hat mir geholfen, als auch meine Praktika und Nebenjobs. Aber hätte ich letztendlich "nur Japanologie" studiert, hätte mich mein Chef niemals zum Bewerbungsgespräch gelassen. In Kombination mit all den Erfahrungen und Projekten die mich geprägt hatten, bekam ich aber schließlich meine Chance mich zu beweisen. 

 Deswegen sage ich, dein Studium ist das, was du am Ende daraus machst. Nur ein Abschluss hilft dir nicht. Meine Noten sind hier jedem egal und mein Bachelor-Zeugnis ist mehr wie eine Eintrittskarte in die Jobwelt, egal was drauf steht. Ohne mir meine Fähigkeiten selbst anzueignen, hätte ich meinen Job nicht bekommen. 

 Jetzt bin ich gespannt auf eure Erfahrungen. Wie seid ihr an euren Job gekommen? Oder seid ihr noch in der Praktika-Hölle gefangen? Schreibts in die Kommentare!

BONUSSTAGE: BLUE GROTTO SHIBUYA


Es ist Weihnachtszeit und Shibuya glüht im blauen Licht.

Auf dem Boden liegt Vinyl, das das Licht reflektiert.

Wer das sehen will sollte bis Anfang Januar zum Eingang des Yoyogi-Parks begeben (nicht der Eingang von Harajuku).


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